KI bedeutet trotzdem mitdenken – oder: ChatGPT, sei bitte ehrlich

Ich war gerade dabei einen ersten Test zu machen. LinkedIn Beiträge mit KI optimieren war das Thema in einer Fortbildung und ich wollte das direkt ausprobieren. Also bat ich ChatGPT einen Artikel über Einstellungsgrößen in der Filmproduktion zu schreiben. Ich bemerkte meinen eigenen Fehler zunächst nicht. Ich hatte zuvor über die 5-Shot-Technik nachgedacht. Gedankenlos tippte ich fünf Einstellungsgrößen, klar strukturiert, verständlich erklärt.

Der Artikel war überzeugend. Flüssig geschrieben, gut strukturiert, klang professionell. Ich las ihn durch und dachte: Das stimmt doch gar nicht. Da fehlen welche. Ich war ein wenig ungläubig und machte mir einen Spaß daraus: Ich bat ChatGPT darum auf sechs Einstellungsgrößen zu erhöhen. Wieder war der Text überzeugend, wieder flüssig. Unglaublich, fand ich.

Also bat ich um sieben.

Das Lustige oder eigentlich das Lehrreiche daran: ChatGPT hat mir jedes Mal bereitwillig geliefert was ich verlangt habe. Fünf Einstellungsgrößen? Hier sind fünf. Sieben? Kein Problem. Und jedes Mal klang der Artikel so, als wäre es die vollständige Wahrheit.

Ich habe den Fehler gemerkt, weil ich 20 Jahre Filmerfahrung habe. Jemand ohne dieses Wissen hätte den Artikel veröffentlicht und damit falsche Informationen in die Welt gesetzt.

Das ist das Kernproblem von KI-generierten Texten. Und es hat einen Namen: Halluzination.


Inhalt

  1. Was sind KI-Halluzinationen und warum passieren sie?
  2. Woran erkennst du dass etwas nicht stimmt?
  3. KI als Werkzeug – nicht als Experte
  4. Der Prompt der ChatGPT ehrlicher macht
  5. Wie du KI-Texte richtig lektorierst
  6. Was das für deinen Content bedeutet
  7. Fazit

Was sind KI-Halluzinationen und warum passieren sie?

KI-Sprachmodelle wie ChatGPT funktionieren nicht wie eine Suchmaschine die Fakten nachschlägt. Sie berechnen auf Basis von riesigen Textmengen welches Wort wahrscheinlich als nächstes kommt und erzeugen so fließende, plausibel klingende Texte.

Das Problem: Plausibel klingend ist nicht dasselbe wie wahr.

Wenn ChatGPT nicht weiß ob etwas stimmt, erfindet es manchmal einfach weiter. Nicht böswillig. Es „weiß“ gar nicht dass es etwas erfindet. Es tut was es immer tut: den wahrscheinlichsten nächsten Satz generieren.

Das Ergebnis nennt man Halluzination. Die KI gibt Dinge als Tatsache aus, die schlicht nicht stimmen. Manchmal sind das kleine Details. Manchmal sind es erfundene Quellen, nicht existierende Studien oder, wie in meinem Fall, einfach eine falsche Anzahl von Fachbegriffen.

Das Tückische: Halluzinationen klingen genauso überzeugend wie korrekte Aussagen. Es gibt keinen Hinweis im Text der sagt „Achtung, hier bin ich mir nicht sicher.“


Woran erkennst du dass etwas nicht stimmt?

Die ehrliche Antwort: Oft gar nicht, vor allem wenn du kein Fachwissen mitbringst.

Das ist kein Angriff auf KI. Es ist eine realistische Einschätzung. ChatGPT ist kein Experte, es ist nur ein sehr guter Textgenerator. Der Unterschied ist entscheidend.

Wann KI besonders fehleranfällig ist:

  • Bei sehr spezifischen Fachthemen (Medizin, Recht, Filmtechnik, Wissenschaft)
  • Bei konkreten Zahlen, Statistiken und Studien
  • Bei aktuellen Ereignissen nach dem Trainings-Cutoff, also der Zeitpunkt bis zu dem die KI mit Daten gefüttert wurde
  • Wenn du etwas verlangst das die KI nicht genau weiß: sie liefert trotzdem

Wann KI zuverlässiger ist:

  • Bei allgemeinen, gut dokumentierten Themen
  • Bei Textstruktur, Formulierungen, Zusammenfassungen
  • Bei kreativen Aufgaben ohne Faktenbasis
  • Wenn du es mit deinem eigenen Wissen prüfen kannst

Die wichtigste Frage die du dir bei jedem KI-Text stellen solltest: Würde ich das unterschreiben mit meinem eigenen Namen drauf?


KI als Werkzeug – nicht als Experte

Hier ist der Gedanke der mich nach meinem Einstellungsgrößen-Debakel am meisten beschäftigt hat:

KI ist kein Ersatz für Fachwissen. Sie ist eine Verstärkung von dem was du bereits weißt.

Wer keine Ahnung von Filmtechnik hat und ChatGPT einen Artikel über Einstellungsgrößen schreiben lässt bekommt einen Artikel der klingt als wäre er von jemandem mit Ahnung geschrieben. Ist er aber nicht.

Wer hingegen Filmtechnik beherrscht, merkt den Fehler sofort. Und kann die KI korrigieren, ergänzen, lenken.

Das ist der entscheidende Unterschied zwischen KI als Werkzeug und KI als Ersatz für Denken.

Oder um es mit einem Satz zu sagen der mir in einer Fortbildung aufgefallen ist und den ich seitdem nicht mehr vergessen habe:

Lasst uns unser Gehirn nicht abschalten wenn wir KI anschalten.


Der Prompt der ChatGPT ehrlicher macht

Hier ist meine praktische Lösung für das Problem. Ein Prompt der ChatGPT dazu bringt, transparenter mit seinen eigenen Grenzen umzugehen.

Ich nenne ihn schlicht: „ChatGPT, sei bitte ehrlich.“

Niemand muss sich schämen wenn er etwas nicht weiß. Das gilt für Menschen und ich verlange es inzwischen auch von meiner KI.


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Den Prompt aus diesem Artikel, übersichtlich aufbereitet zum Ausdrucken und direkt Verwenden, gibt es als kostenlosen Download.

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📋 Füge den Prompt einfach am Anfang jedes Chats ein.

Klingt simpel. Ist es auch. Und es macht einen spürbaren Unterschied. ChatGPT beginnt tatsächlich öfter Unsicherheiten zu benennen statt sie zu überspielen.

Wichtig: Dieser Prompt macht ChatGPT nicht unfehlbar. Er macht es transparenter. Den Rest musst du immer noch selbst leisten.


Wie du KI-Texte richtig lektorierst

Patrick Klingberg – Online-Marketing-Experte und Dozent – hat in seinem Kurs über KI-Content einen Ansatz beschrieben, der mir sehr gut gefällt: KI-generierte Texte brauchen ein echtes Lektorat. Nicht nur Korrekturlesen, sondern aktives Mitdenken.

Das bedeutet konkret:

Fachliche Prüfung: Stimmt das inhaltlich? Jede Aussage die du nicht aus eigener Erfahrung kennst prüfen. Besonders bei Zahlen, Namen, Fachbegriffen.

Persönlichkeit einbauen: KI-Texte klingen oft glatt und generisch. Füge deine eigene Stimme hinzu, deine Beispiele, deine Erfahrungen, deinen Ton.

Struktur hinterfragen: Ist das die richtige Reihenfolge? Fehlt etwas Wichtiges? KI liefert oft eine vollständig wirkende Struktur, die aber nicht zwingend die beste ist.

Zielgruppe prüfen: Würde mein Wunschkunde – der Gast, der Heimwerker, der Eigenheimbauer – das verstehen? KI neigt zu akademischer Sprache die an vielen Lesern vorbeigeht.

Aktiv statt passiv: KI schreibt gerne im Passiv. „Es wurde festgestellt“ statt „Ich habe festgestellt.“ Aktive Sprache macht Texte lebendiger. Es ist ja auch dein Wissen, das du mitteilen willst.


Was das für deinen Content bedeutet

KI ist ein fantastisches Werkzeug um schneller zu arbeiten, Ideen zu strukturieren und Textentwürfe zu erstellen. Ich nutze sie selbst täglich.

Aber: Ich veröffentliche keinen KI-Text ohne ihn gelesen, geprüft und mit meiner eigenen Stimme versehen zu haben.

Das ist keine Schwäche. Das ist Qualitätssicherung.

Und wenn du dich fragst ob Leser merken dass ein Text mit KI entstanden ist? Meine ehrliche Antwort: Wenn du ihn gründlich überarbeitest und mit deinem eigenen Wissen und deiner Persönlichkeit füllst, trifft es deinen kompetenten Ton und niemand stört sich daran. Wenn du ihn einfach kopierst und veröffentlichst, dann schon.

Der Unterschied liegt nicht in der KI. Er liegt in dir.


Fazit

KI macht uns schneller. Sie macht uns aber nicht automatisch besser.

Mein Einstellungsgrößen-Debakel hat mich gelehrt, dass KI immer nur so gut ist, wie die Person die ihre Ergebnisse prüft. Und das bin ich. Mit 20 Jahren Erfahrung. Mit echtem Fachwissen. Mit einem kritischen Blick der nicht ausgeschaltet wird, nur weil ein Text überzeugend klingt.

Die drei wichtigsten Regeln für KI-Content:

✅ Immer mit eigenem Fachwissen prüfen – besonders bei spezifischen Themen
✅ Den „Sei ehrlich“-Prompt verwenden – er macht Unsicherheiten sichtbar
✅ Jeden Text mit der eigenen Stimme und echten Erfahrungen füllen


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