Erinnert ihr euch ans Studium? Nachtschichten, PowerPoint-Bugs, 100 Tabs offen, die Präsentation ist um 8 Uhr morgens fällig und um 2 Uhr nachts fragt man sich warum man das Diagramm nicht früher angefangen hat.

Heute ist das anders. Zumindest wenn man die richtigen Tools kennt.
Ich hatte für einen Kunden (eine Eisdiele hier in der Region) eine Zielgruppenanalyse erstellt. Daten sammeln, auswerten, strukturieren, visualisieren. Das ist der aufwändige Teil. Und dann kommt die Frage: Wie präsentiere ich das dem Kunden so, dass er es versteht, glaubt und begeistert ist?
Früher: Stunden in PowerPoint. Heute habe ich Gamma getestet. Das Ergebnis hat mich positiv überrascht aber mit ein paar Einschränkungen die ich euch nicht verschweigen werde.
Inhalt
- Was ist Gamma überhaupt?
- Vorbereitung – der wichtigste Schritt vor dem ersten Klick
- Schritt für Schritt: So habe ich meine Eismarkt-Analyse mit Gamma aufgebaut
- Die echte Präsentation – Screenshots aus meinem Projekt
- Was gut war
- Was mich gestört hat
- Fazit: 4 von 5 Sternen – und warum
Was ist Gamma überhaupt?
Gamma ist ein KI-gestütztes Präsentationstool das direkt im Browser läuft – keine Installation, kein PowerPoint, kein Canva. Du gibst eine Gliederung oder einen Text ein, wählst ein Design und Gamma erstellt daraus automatisch eine fertige Präsentation mit Folien, Layouts und Visualisierungen.
Das Besondere: Gamma denkt in Inhalten, nicht in Folien. Statt jede Folie manuell zu gestalten beschreibst du was du sagen willst und Gamma übernimmt die visuelle Umsetzung.
Es gibt einen kostenlosen Einstieg und verschiedene Bezahlpläne je nach Nutzungsumfang. Für den ersten Test reicht das Gratis-Kontingent gut aus.
Vorbereitung – der wichtigste Schritt vor dem ersten Klick
Hier kommt der Tipp den ich am wichtigsten finde und der in vielen Gamma-Tutorials fehlt:
Struktur zuerst. Dann Gamma.
KI-Tools sind keine Wundermaschinen die aus einem vagen Gedanken eine brillante Präsentation zaubern. Gamma ist so gut wie die Grundlage die du ihm gibst. Wenn deine Struktur klar ist – Thema, Kernaussagen, Abschnitte, Fazit – dann ist Gamma ein unglaublicher Effizienzgewinn. Wenn du unstrukturiert hineingehst, bekommst du eine unstrukturierte Präsentation, nur halt schöner verpackt.
Mein Workflow:
- Gliederung auf Papier oder in einem Textdokument erstellen
- Kernaussagen für jede Folie in einem Satz formulieren
- Die wichtigsten Unterpunkte formulieren (nie mehr als 7!)
- Erst dann in Gamma eingeben
Für meine Eismarkt-Analyse hatte ich die Struktur bereits erarbeitet. Marktdaten, Zielgruppen, Demografie, Kaufverhalten, Fazit. Das hat den Gamma-Prozess deutlich beschleunigt.
Schritt für Schritt: So habe ich meine Eismarkt-Analyse aufgebaut
Schritt 1: Neues Projekt anlegen
Auf gamma.app anmelden, „Neu erstellen“ klicken und zwischen drei Optionen wählen: aus Text generieren, aus Gliederung generieren oder von Grund auf neu. Ich habe die Gliederungs-Option gewählt.
Schritt 2: Gliederung eingeben
Meine Struktur für die Eismarkt-Analyse:
- Marktstruktur & Makro-Perspektive
- Zielgruppenstruktur
- Demografische Verteilung
- Kaufverhalten & Konsummuster
- Fazit & Marketing-Implikationen
Gamma hat daraus automatisch Folienvorschläge generiert mit Platzhaltern für Texte und Bilder.
Schritt 3: Design wählen
Gamma bietet verschiedene Designvorlagen. Ich habe ein klares, professionelles Layout gewählt das zu einer Geschäftspräsentation passt. Die Anpassung von Farben und Schriften ist möglich aber begrenzt. Für individuelle Corporate Identity braucht man entweder Geduld oder die Bezahlversion.
Schritt 4: Inhalte einfügen und anpassen
Hier liegt die eigentliche Arbeit. Gamma füllt Platzhalter mit KI-generierten Vorschlägen, die ich dann mit meinen echten Daten ersetzt habe. Von den recherchierten Marktdaten von Statista bis zu den eigenen Ableitungen meiner Analysen.
Schritt 5: Exportieren
PDF-Export oder direkte Präsentation im Browser – beides funktioniert. Der LinkedIn-Upload hat bei mir nicht ganz reibungslos geklappt, ein Diagramm musste ich nachbauen. Dazu gleich mehr.
Die echte Präsentation – Screenshots aus meinem Projekt

Die erste Folie zeigt die Marktstruktur auf einen Blick: rund 4.690 Eisdielen deutschlandweit, 8,7 Liter Eis pro Kopf pro Jahr, ein Durchschnittspreis von 1,90 Euro pro Kugel im Jahr 2026. Gamma hat die Daten sauber in Karten und Bulletpoints aufgeteilt – ohne dass ich ein einziges Layout manuell erstellt habe.

Die Zielgruppenfolie zeigt sechs Segmente – Familien, Jugendliche, Berufstätige, Senioren, Touristen, Eventkunden – jeweils mit Icon und kurzer Beschreibung. Das hätte ich in PowerPoint mindestens eine Stunde gekostet.


Das Endergebnis: Eine professionell aussehende Präsentation mit fünf Folien, klarer Struktur und konsistentem Design. Dauer: circa 30 Minuten. Früher wären das mehrere Stunden gewesen.
Was gut war
Geschwindigkeit: 30 Minuten für eine fertige Präsentation ist kein Marketingversprechen – das ist meine echte Erfahrung. Vorausgesetzt die Struktur steht.
Visualisierung: Gamma ist besonders stark bei der visuellen Aufbereitung. Karten, Icons, Diagrammvorschläge – alles ohne manuelles Gestalten.
Einstiegshürde: Keine Installation, kein Einarbeiten in komplexe Software. Wer E-Mails schreiben kann beherrscht die Grundfunktionen von Gamma in 10 Minuten.
Kollaboration: Präsentationen lassen sich teilen und gemeinsam bearbeiten – praktisch für Kundenprojekte.
Was mich gestört hat
Textkorrektur ist langsam: Wenn ich einzelne Textblöcke angepasst habe, hat die Oberfläche manchmal gebraucht. Ich bin ungeduldig – das ist vielleicht mein Problem. 😄
Export nicht ganz reibungslos: Der PDF-Export hat funktioniert, aber beim LinkedIn-Upload wurde ein Diagramm nicht korrekt übertragen. Ich musste es manuell nachbauen. Kein Weltuntergang aber ein Minuspunkt.
Eingeschränkte individuelle Gestaltung: Wer ein spezifisches Corporate Design umsetzen will stößt schnell an Grenzen. Gamma ist stärker bei Standardlayouts als bei individuellen Designs.
Credits: Der Gratis-Account hat ein begrenztes Kontingent. Wer Gamma regelmäßig nutzt kommt um ein Abo nicht herum.
Fazit: 4 von 5 Sternen – und warum
⭐⭐⭐⭐ / 5 – Worth a try.
Gamma ist kein PowerPoint-Ersatz für alle Fälle. Aber für Beratungspräsentationen, Kundenmeetings und strukturierte Analysen ist es ein echter Effizienzgewinn.
Der entscheidende Punkt: Gamma ersetzt nicht das Denken. Es ersetzt die Formatierungsarbeit. Und genau das ist es wert.
Mein Tipp für den Einstieg: Fangt mit einer Präsentation an die ihr schon kennt, zum Beispiel eine Unternehmensvorstellung oder eine Projektübersicht. Gebt eine klare Gliederung ein, lasst Gamma die erste Version erstellen und verfeinert dann. Ihr werdet überrascht sein wie schnell etwas Vorzeigbares entsteht.
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