Professioneller Ton für kleines Budget – das richtige Equipment für Film und Mobile Reporting

Ton aufnehmen mit professionellem Equipment

Viele investieren viel Geld in die beste Kamera, das schärfste Objektiv, das stabilste Stativ. Und vergessen dabei komplett den Ton.

Dabei gilt: 70 Prozent der Wahrnehmung bei audiovisuellen Inhalten liegt auf der Tonspur. Nicht das Bild, sondern der Ton entscheidet ob dein Zuschauer dranbleibt oder wegklickt. Ich habe das im vorherigen Artikel ausführlich erklärt. Heute geht es um die Konsequenz daraus: Wie nimmst du von Anfang an guten Ton auf? Auch mit kleinem Budget.

Ich hatte in meiner Zeit als Leiterin der Kameraabteilung bei einem Filmgeräteverleiher die Möglichkeit, eine riesige Bandbreite an Equipment zu testen – vom Zoom Recorder bis zum Sound Devices, vom Sennheiser bis zum Beyerdynamic, von der Keule bis zum Grenzflächenmikrofon. Das war eine einmalige Schule. Heute zeige ich dir was davon wirklich relevant ist: für dokumentarisches Arbeiten, für Mobile Reporting und für alle die mit kleinem Budget professionellen Ton wollen.


Inhalt

  1. Warum das eingebaute Mikrofon nicht reicht
  2. Was ein Richtmikrofon macht – und warum du eines brauchst
  3. Richtmikrofone im Vergleich – von professionell bis günstig
  4. Funkstrecken – unverzichtbar auch mit kleinem Budget
  5. Der Zoom Recorder – wann er Sinn macht
  6. Mein persönliches Setup
  7. Fazit & Kaufempfehlung

Warum das eingebaute Mikrofon nicht reicht

Die in Kameras integrierten Mikrofone haben drei grundlegende Probleme:

Erstens: Sie nehmen die Kamerageräusche direkt mit. Jedes Zoomen, jedes Autofokus-Surren, jede Lüfter-Phase, alles landet auf der Tonspur.

Zweitens: Du bist als Kamerafrau oder Kameramann meist zu weit vom Geschehen entfernt. Ein Mikrofon das 2 Meter vom Sprecher entfernt ist nimmt vor allem den Raum auf und nicht die Stimme.

Drittens: Umgebungsgeräusche wie Straßenlärm, andere Gespräche oder Wind überlagern alles.

Eine Lösung wäre natürlich mit einem wettwinkligen Mikrofon sehr nah an die Sprecher heranzutreten. Aber ehrlich gesagt: das ist oft gar nicht hübsch. Die Alternative dazu sind ein externes Richtmikrofon direkt auf der Kamera und, wenn möglich, ein Ansteckmikrofon direkt am Sprecher.


Was ein Richtmikrofon macht – und warum du eines brauchst

Ein Richtmikrofon – auch Shotgun-Mikrofon genannt – nimmt primär den Schall aus einer bestimmten Richtung auf und blendet Geräusche von der Seite und von hinten stark aus. Das Mikrofon zeigt auf die Schallquelle – alles andere wird reduziert.

Das macht es ideal für dokumentarische Aufnahmen: Du filmst eine Person, das Mikrofon zeigt auf sie, ihr Gespräch wird klar und deutlich aufgenommen während der Lärm drumherum in den Hintergrund tritt.

Wichtig zu wissen: Viele Richtmikrofone werden über Phantomspeisung (48V, von der Kamera geliefert) oder über eine Batterie betrieben. Batteriegespeiste Modelle haben den Vorteil dass sie auch an Kameras funktionieren die keine Phantomspeisung liefern wie zum Beispiel viele spiegellose Systemkameras oder DSLRs. Heute gibt es aber auch, vor allem für den Einsatz am Handy, welche, die einen internen Akku besitzen. Schau auf deine Kamera und prüfe die Möglichkeiten, bevor du dich für den Kauf entscheidest.


Richtmikrofone im Vergleich – von professionell bis günstig

Sennheiser MKH-Serie oder ME mit Aufsätzen – das professionelle System

Viele kennen die ME Serie von Sennheiser, ein modulares System: Ein Grundkörper, verschiedene austauschbare Aufsätze (Kapseln) für unterschiedliche Richtcharakteristiken. Leider wurde die weit verbreitete Variante eingestellt und gegen den MZX 8000 Adapter getauscht.

  • MKH 8020: Kugel, nimmt von allen Seiten auf , ggf. auch dich – gut für Atmosphäre und Gruppenaufnahmen
  • MKH 8040 : Niere, klassisch für Interviews
  • MKH 8060 : Superniere / Keule, stark gerichtet – die beste Wahl wenn du nur einen Aufsatz nimmst

Der große Vorteil des Systems: Ein Grundkörper, mehrere Einsatzmöglichkeiten. Wer vielseitig arbeitet und in wirklich gutes Equipment investieren will: hier ist es richtig angelegt.

Sennheiser MKE 600 – meine Empfehlung für das beste Preis-Leistungs-Verhältnis

Das MKE 600 liefert dieselbe Qualität wie die ausgelaufene ME-Serie, nur ohne das modulare System. Kein Aufsatztausch, dafür ein sehr guter Festwert der für die meisten dokumentarischen Situationen ideal ist.

Was mich überzeugt hat: Es funktioniert sowohl mit Phantomspeisung als auch mit Batterie. Das macht es extrem flexibel. Ich kann es an meiner Blackmagic Pocket betreiben, aber auch an einer Canon 5D oder einer anderen Kamera ohne Phantomspeisung.

Mein persönliches Mikrofon. Klare Empfehlung.

Rode VideoMic Pro+ – kompakter und leichter

Eine Nummer kleiner und leichter als das MKE 600, ideal wenn Gewicht und Größe eine Rolle spielen, ist das Rode VideoMic Pro+. Es liefert sehr gute Tonqualität für den Preis und ist ebenfalls mit Batteriebetrieb. Besonders beliebt ist es bei Vloggern und kleinen Produktionsteams. Ich würde aber ab hier zusätzlich Funkstrecken für Interviews empfehlen, dazu später mehr.

Rode VideoMic Rycote – der günstige Einstieg

Wer mit kleinstem Budget startet: Das Rode VideoMic Rycote ist eine solide Wahl. Es ist nicht auf dem Niveau der teureren Modelle und doch ein riesiger Schritt nach vorne, verglichen mit dem eingebauten Kameramikrofon. Für den Einstieg absolut empfehlenswert.

Rode VideoMic ME-C – speziell fürs Handy

Wer mit dem Smartphone dreht: Der Rode VideoMic ME-C ist der kompakte Steckling für USB-C Anschluss – also Android und neuere iPhones. Klein, leicht, sofort einsatzbereit. Wer ernsthaft mit dem Handy filmt kommt daran nicht vorbei.

Film und Tonaufnahme mit Sennheiser MKE600

Ich hab hier viele Sennheiser und Rode Produkte empfohlen, weil ich selbst sehr von ihnen überzeugt bin. Natürlich gibt es viele Anbieter und ich will hier niemanden ausschließen. Das sind einfach meine persönlichen Favoriten wenn es um Qualität und Preis-Leistung geht.


Funkstrecken – unverzichtbar auch mit kleinem Budget

Ein Richtmikrofon auf der Kamera ist gut. Aber es hat eine Grenze: Du musst immer nah genug am Sprecher sein. Mit der Entfernung steigt die Notwendigkeit einer ruhigen Umgebung.

Beim dokumentarischen Drehen, besonders als One-Woman-Band will ich mich aber frei mit der Kamera bewegen können. Ich will die Szene in verschiedene Bildwinkel auflösen, ohne dass sich dabei der Ton ändert. Die Lösung dafür ist eine Funkstrecke mit Lavaliermikrofon direkt am Sprecher.

Sennheiser AVX – mein Wunsch-Setup

Die Sennheiser AVX ist für mich das beste System für dokumentarische Arbeit als Einzelperson. Fantastische Bedienerfreundlichkeit, exzellenter Ton und vor allem ein extrem guter Limiter. Das bedeutet: Selbst wenn der Sprecher plötzlich laut wird oder schreit, übersteuert die Aufnahme nicht. Selbst gute Tonmänner sind dafür oft zu langsam. Aber gerade wenn der Ton nebenbei aufgezeichnet werden soll weil man hauptsächlich filmt und keine Hand für die Pegelkontrolle hat ist ein guter Limiter Gold wert.

Für mein eigenes Setup war sie dann doch zu teuer. Für größere Produktionen miete ich sie beim Verleiher zu, meine uneingeschränkte Empfehlung.

Rode Wireless Pro – das beste Preis-Leistungs-Verhältnis

Die Rode Wireless Pro sind meine Empfehlung für alle, die eine hochwertige Funkstrecke für kleinere Kamera Set-Ups kaufen wollen ohne den AVX-Preis hinzulegen. Sie liefern sehr guten Ton, eine zuverlässige Verbindung, mit Lavaliermikrofon im Lieferumfang und ebenfalls guten Limiter.

Rode Wireless GO II – der günstige Einstieg

Wer noch günstiger einsteigen will: Das Rode Wireless GO II ist ein kompaktes System ohne Lavaliermikrofon – der Sender selbst wird als Mikrofon genutzt, einfach an den Hemdkragen geklippt. Klanglich ein klein wenig unter dem Wireless Pro, aber für viele Anwendungen mehr als ausreichend. Mir gefällt nur oft nicht, dass sie natürlich mehr Aufmerksamkeit im Bild erzeugen.

Mein Rat: Auf eine Funkstrecke würde ich auch mit kleinstem Budget nicht verzichten. Die Freiheit die sie gibt, sowohl für dich als Kamerafrau als auch für deinen Protagonisten, ist es in jedem Fall wert.

Film und professionelle Tonaufnahme mit Funkstrecke

Der Zoom Recorder – wann er Sinn macht

Der Zoom H5 ist ein mobiler Audio-Recorder der unabhängig von der Kamera arbeitet. Ich habe mir selbst einen zugelegt, denn er hat in bestimmten Situationen einen klaren Vorteil.

Kleine Kameras und Smartphones haben oft nur einen oder zwei Audiokanäle. Der Zoom H5 bietet mehrere Kanäle gleichzeitig. Ich kann also mehrere Mikrofone gleichzeitig aufnehmen und in der Nachbearbeitung flexibel mischen.

Wann er besonders nützlich ist:

  • Interviews mit mehreren Personen
  • Wenn die Kamera zu weit weg ist um ein Kameramikrofon sinnvoll zu nutzen
  • Wenn ich mich mit der Kamera frei bewegen will und den Ton separat aufnehme
  • Als Backup-Aufnahme zusätzlich zur Kamera

Der Ton wird dann in der Nachbearbeitung mit dem Bild synchronisiert. Das ist etwas mehr Aufwand, aber dadurch erhält man maximale Flexibilität und Qualität.


Mein persönliches Setup

Für alle die gerne wissen wie ich selbst arbeite:

  • Kamera: Blackmagic Pocket Cinema Camera
  • Richtmikrofon: Sennheiser MKE 600 auf der Kamera, für Atmo und nähere Aufnahmen
  • Recorder: Zoom H5 für Situationen wo ich Ton und Bild trennen will
  • Funkstrecke: Kleine Funkstrecken für direkte Sprecher-Abnahme, für größere Projekte miete ich die Sennheiser AVX dazu

Das ist kein teures Setup aber ein durchdachtes. Jedes Teil hat seinen Zweck.

Mein Tipp für alle die sich ein eigenes hochwertiges Setup aufbauen wollen: Geht zu einem Filmgeräteverleiher, lasst euch beraten und mietet verschiedene Setups tageweise aus. So findet ihr euren eigenen Geschmack ohne viel Geld für das falsche Equipment auszugeben.

Und der zweite Tipp: Thomann ist der absolut beste Online-Händler, wenn es um Audio-Equipment geht. Dort gibt es gute Angebote, gute Preise und vor allem, wenn es um Probleme geht, ist der Kundenservice einfach nur spitze. Zusätzlich gibt es auf fast alle Produkte eine freiwillige Verlängerung der Garantie auf 3 Jahre. Ich glaube das bietet sonst niemand.


Fazit & Kaufempfehlung

Hier nochmal auf einen Blick, je nach Budget:

BudgetRichtmikrofonFunkstrecke
KleinRode VideoMic RycoteRode Wireless GO II
MittelRode VideoMic Pro+Rode Wireless Pro
ProfessionellSennheiser MKE 600Sennheiser AVX (oder Verleiher)
HandyRode VideoMic ME-CRode Wireless GO II

Und noch einmal der wichtigste Satz dieses Artikels: Investiere in deinen Ton. Nicht nur in dein Bild.

Wie du schlechte Tonaufnahmen im Nachhinein noch retten kannst mit KI-Tools die wirklich funktionieren, das habe ich im Artikel Tonbearbeitung wenn alles schon zu spät scheint beschrieben. Aber wie gesagt: Vorbeugung ist besser als Nachbearbeitung.


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