Ich erinnere mich noch gut an die ersten Handyvideos die ich gesehen habe. Körnig, wackelig, kaum verständlicher Ton. Das war vor nicht allzu langer Zeit.
Heute halte ich manchmal mein Samsung in der Hand, drücke auf Aufnahme – und bin immer noch überrascht was da rauskommt. Schärfe, Farben, Dynamik. Natürlich: Zoomt man am großen Bildschirm rein oder vergleicht man direkt mit einer hochwertigen Profikamera sieht man den Unterschied noch. Aber wenn die Aufnahme gut gemacht ist und keine große Nachbearbeitung mehr nötig ist? Dann ist das Ergebnis der Hammer.
Und das alles innerhalb weniger Jahre.
Ein iPhone wäre natürlich mein Favorit wenn es um Kameraqualität geht. Aber ich bin eine Nummer günstiger bei Samsung geblieben. Auch das schafft Unglaubliches. Welches Handy das richtige für dich ist? Schau dir Vergleiche an, geh in den Laden und probier es aus. Das ist die ehrlichste Antwort die ich geben kann.
Die Kamera ist aber nur der Anfang. Was du damit machst, das entscheidet.
Inhalt
- Das Flimmer-Problem – warum 25 statt 30 Bilder wichtig sind
- Stativ oder Stabilisator – wann was besser ist
- Teleobjektiv oder Weitwinkel – welches Objektiv wann?
- Perspektive – Frosch, Normal oder Vogel?
- Kamerabewegung – langsam ist mehr
- Licht – der wichtigste Faktor
- Ton – bitte nicht vergessen
- Profi-App oder Standardeinstellungen?
- Fazit & Checkliste
Das Flimmer-Problem – warum 25 statt 30 Bilder wichtig sind
Hier kommt ein technischer Punkt der viele überrascht, der aber in den meisten Handy-Tutorials komplett fehlt.
Unser europäisches Stromnetz läuft mit 50 Hertz. Das bedeutet: Künstliche Lichtquellen, also Lampen und Neonröhren, flimmern mit 50 Schwingungen pro Sekunde. Das Auge nimmt das nicht wahr. Die Kamera aber schon.
Wenn du mit 30 Bildern pro Sekunde (frames per second / fps) filmst, was der amerikanische Standard ist und was viele Handys als Default eingestellt haben, entsteht bei künstlichen Lichtquellen oft ein eigenartiges Flirren im Bild. Lichtquellen pulsieren, Leuchtmittel flackern. Du hast es sicher schon gesehen.
Die Lösung: 25 fps – oder ein Vielfaches davon (50 fps, 100 fps für Zeitlupen).
25 fps ist der europäische Standard. Bei 25 Bildern pro Sekunde und 50 Hz Stromnetz passt alles zusammen und es gibt kein Flimmern.
Das Problem: Nicht alle Handys erlauben 25 fps direkt in den Einstellungen. Viele bieten nur 30 fps als Standard an. Hier helfen manchmal noch Recording Apps – mehr dazu weiter unten.

Was aber, wenn gar nichts geht? Dreh bei Tageslicht. Wenn das nicht geht, versuch die flackernden Lichtquellen aus deinem Bild zu eliminieren. Ein weiterer Trick: Nimm dir ein LED Licht mit, das mit Akku betrieben wird. Richte es als Hauptlichtquelle auf deine Szene. So kannst du den Einfluss der flackernden Lampen minimieren.
→ Mehr dazu:Mehr dazu findest du auch in meinem Artikel „Licht – Available Light oder Dreipunktbeleuchtung„.
Stativ oder Stabilisator – wann was besser ist
Das ist eine der wichtigsten Entscheidungen vor dem Dreh und beide haben ihre Berechtigung. In jedem Fall solltest du dir darüber Gedanken machen.
Das Stativ – für ruhige, „kinohafte“ Bilder
Mit einem Stativ kannst du die Kamera fest aufstellen und mit dem Teleobjektiv arbeiten. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Teleobjektive komprimieren den Raum, reduzieren die Tiefenschärfe und erzeugen ein natürlicheres, näher an der menschlichen Wahrnehmung liegendes Bild.
Das Ergebnis wirkt „kinohafter“: der Hintergrund ist unscharf, das Motiv steht klar heraus, die langen Nasen des Weitwinkels verschwinden.
Wann das Stativ die richtige Wahl ist:
- Interviews und Gespräche
- Produktaufnahmen
- Wenn Ruhe und Ästhetik wichtig sind
- Wenn du Zeit hast dich einzurichten
Der Stabilisator (Gimbal) – für Bewegung
Ein Gimbal oder der eingebaute optische Bildstabilisator ermöglicht es einer Person in Bewegung zu folgen. Das bedeutet meistens: Weitwinkel. Und Weitwinkel hat Nachteile: lange Nasen, verzeichnete Proportionen, ein eigenartigerer Bildcharakter.
Aber er gibt dir Freiheit. Du kannst mitlaufen, schwenken, dynamische Aufnahmen machen.
Wann der Stabilisator die richtige Wahl ist:
- Reportage und dokumentarisches Arbeiten
- Wenn du Menschen in Bewegung folgst
- Für dynamische Social-Media-Reels
- Wenn Spontaneität wichtiger ist als Ästhetik
Meine Empfehlung: In den meisten Fällen eine Mischform. Statische Einstellungen mit Stativ und Tele, bewegte Sequenzen mit Stabilisator. Das gibt dir im Schnitt alle Möglichkeiten.
Teleobjektiv oder Weitwinkel – welches Objektiv wann?
Die meisten modernen Handys haben mehrere Kameras: Weitwinkel, Normal und Tele. Viele greifen instinktiv immer zum Weitwinkel weil da am meisten ins Bild passt. Das ist oft ein Fehler.
Weitwinkel
Es zeigt viel aber verzerrt. Nasen wirken länger, Räume tiefer als sie sind, Personen am Bildrand wirken verformt. Es ist gut für weite Landschaften, Architektur, Totalen. Für Portraits und Interviews ist es weniger geeignet.
Normal
Das mittlere Objektiv kommt der Wahrnehmung unseres Auges am nächsten. Mit weniger Verzerrung und natürlicheren Proportionen ist es für die meisten Situationen die bessere Wahl.
Tele
Es komprimiert den Raum, erzeugt Unschärfe im Hintergrund und wirkt dadurch „filmischer“. Es ist ideal für Portraits, Interviews und Produktaufnahmen. Meist brauchst du dafür aber ein Stativ, denn Verwacklungen werden durch die Brennweite verstärkt.
Faustregel: Je näher du einer Person bist, desto mehr solltest du das Weitwinkel vermeiden. Je weiter weg du stehst und je mehr Tele du verwendest, desto besser ist es, mit Stativ zu arbeiten.

Perspektive – Frosch, Normal oder Vogel?
Die Perspektive verändert die Wirkung eines Bildes komplett und wird trotzdem oft vergessen. Das liegt daran, dass wir die Welt mit unserer eigenen Größe wahrnehmen. Wenn du aber ein Video machst, solltest du darauf achten, dich an deinem Bild oder deiner Interviewpartnerin zu orientieren.
Normalperspektive – Kamera auf Augenhöhe des Motivs. Wirkt natürlich, gleichwertig, direkt. Die häufigste und oft richtige Wahl.
Froschperspektive – Kamera von unten. Macht Personen größer, stärker, imposanter. Gebäude wirken monumental. Gut für Helden-Momente oder um etwas eindrucksvoll zu zeigen.
Vogelperspektive – Kamera von oben. Gibt Übersicht, Kontext, zeigt Zusammenhänge. Kann aber auch klein und verloren wirken lassen, je nach Absicht.
Tipp: Geh bewusst in die Knie oder stell dich auf etwas drauf. Auch kleine Perspektivwechsel verändern das Bild enorm.

Kamerabewegung – langsam ist mehr
Man sieht es leider immer wieder: Die Kamera schwenkt so schnell dass dem Zuschauer schwindelig wird. Oder die Person läuft und filmt gleichzeitig und das Bild wippt auf und ab wie ein Boot im Sturm.
Zwei einfache Regeln:
Regel 1 – Langsamer als du denkst: Jede Bewegung mit der Kamera fühlt sich in der Aufnahme doppelt so schnell an wie in der Realität. Was für dich ruhig wirkt ist auf dem Bildschirm oft schon zu flott. Übe langsame, gleichmäßige Bewegungen.
Regel 2 – Sinnvoll und erzählerisch: Kamerabewegungen sollten immer einen Grund haben. Ein Schwenk folgt einer Bewegung. Ein Zoom unterstreicht einen emotionalen Moment. Eine Fahrt erschließt einen neuen Raum.
Bewegung um der Bewegung willen lenkt ab und kostet den Zuschauer Energie. Die Ausnahme ist natürlich die Action-Sequenz…
Licht – der wichtigste Faktor
Das Handy ist gut, aber Licht kann es nicht zaubern. Eine Handy-Kamera hat einen geringeren Kontrastumfang als das menschliche Auge. Was wir problemlos sehen, helle Fenster und dunkle Gesichter gleichzeitig, überfordert die Kamera.
Die wichtigste Regel: Stelle dein Motiv nie direkt vor ein Fenster oder eine helle Lichtquelle. Dann wird das Gesicht dunkel und das Fenster überbelichtet. Beides gleichzeitig geht nicht.
Drehe dein Motiv stattdessen zur Lichtquelle hin, das Gesicht im Licht, du zwischen Motiv und Fenster. Das reicht in vielen Fällen schon für professionell wirkende Aufnahmen.
→ Mehr dazu: Mehr zum Thema Licht – von Available Light bis zur Dreipunktbeleuchtung – erkläre ich ausführlich in einem eigenen Artikel.
Ton – bitte nicht vergessen
Ich habe das Thema in zwei eigenen Artikeln ausführlich behandelt, deshalb hier nur das Wichtigste:
Das eingebaute Mikrofon des Handys ist für viele Situationen ausreichend. Aber sobald Abstand, Wind oder laute Umgebungsgeräusche ins Spiel kommen brauchst du ein externes Mikrofon.
Für das Handy empfehle ich das Rode VideoMic ME-C: kleiner Stecker, sofort einsatzbereit, großer Qualitätssprung.
Und denk daran: 70 Prozent der Wahrnehmung bei Videos liegt auf der Tonspur. Die schönsten Bilder nützen nichts wenn man nichts versteht.
→ Mehr dazu: Professioneller Ton für kleines Budget
→ Und: Tonbearbeitung wenn alles schon zu spät scheint
Profi-App oder Standardeinstellungen?
Hier bin ich ehrlich: Es kommt auf die Situation an.
Profi-App (z.B. Filmic Pro, Blackmagic Camera): Mit einer App erhältst du volle Kontrolle über Frame Rate (wichtig für die 25fps-Frage!), Belichtung, Weißabgleich und Fokus. Die meisten verwenden Filmic Pro, weil sie einfach schon lange auf dem. Markt ist. Die App gibt es inzwischen nur mehr über Abbo, lohnt sich aber, wenn du regelmäßig filmst und die Einstellungen kennst. Seit Juni 2024 funktioniert auch die kostenlose App Blackmagic Camera auf den meisten Android-Smartphones. Schau einfach in deinem App Store, ob sie für dein Handy verfügbar ist. Sie kann genau so viel und bietet gerade für mich einen guten Workflow, weil ich auch die Blackmagic Pocket Kamera nutze.
Verwende sie aber nur, wenn alle Anwesenden Zeit haben und du in Ruhe einrichten kannst. Wer schnell sein muss und nebenbei noch andere Dinge im Kopf hat, bei dem geht mit Standardeinstellungen oft mehr als mit einer komplexen App die im falschen Moment verwirrt.
Meine Empfehlung: Lern die Profi-App in Ruhe kennen, zu Hause, ohne Druck. Dann entscheide je nach Situation ob du sie einsetzt.
Fazit & Checkliste
Das Handy ist ein mächtiges Werkzeug. Aber wie jedes Werkzeug entscheidet die Anwendung über das Ergebnis.
Deine Checkliste vor dem Dreh:
✅ Frame Rate auf 25 fps einstellen (oder App nutzen)
✅ Stativ für ruhige Aufnahmen – Stabilisator für Bewegung
✅ Tele für Portraits und Interviews – Weitwinkel nur wenn nötig
✅ Perspektive bewusst wählen – auf Augenhöhe des Motivs
✅ Kamerabewegung: langsamer als du denkst, immer mit Grund
✅ Licht: Motiv zur Lichtquelle drehen, nie dagegen
✅ Externes Mikrofon wenn möglich
✅ Profi-App wenn Zeit und Ruhe vorhanden
Du willst lernen wie du das Beste aus deinem Handy herausholst – für Social Media, Imagevideos oder Kundenvorstellungen? In meinem Workshop zeige ich dir genau das – praxisnah und direkt anwendbar.



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